Weg zum Glück über Schokolade und Herzhaftes – Konditoren freuen sich über Meisterbriefe

Mar 01 2011
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Gruppenbild Meisterprüfung Konditoren 2011Schokolade macht glücklich?! Eindeutig, auch wenn die angehenden Konditorenmeister das süße Naschwerk im Rahmen ihrer Vorbereitung und im Angesicht manchen Zuckerbruchs oftmals wohl kaum mehr sehen konnten.

Dafür winkte mit dem Meisterbrief der süße Lohn für drei Monate voller Mühen und Strapazen. 18 Teilnehmer legten im Februar an der „Iserlohner Fach- und Meisterschule für das Konditorenhandwerk“ ihre Meisterprüfung ab. Aus der gesamten Republik waren die Zuckerbäcker zum Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft MK e.V. (BBZ) gekommen, eine Aachener Teilnehmerin stammt ursprünglich sogar aus China. Klar, dass das Meisterstück mit Bambus-Baumkuchen, Marzipan-Pandas und dem schokoladigen Yin und Yang unter eben diesem Thema stand. Doch auch darüber hinaus waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt. „Ein verrückter Tag im Zoo“, „Süßes Küstentreiben“, „Der Weg des Kakaos“ und viele Themen mehr fanden den Weg auf die Ausstellungstische.

Silvia Cleemann aus Ihmert nutzte die Chance, mit den Iserlohn Roosters den heimischen Eishockey-Verein sprichwörtlich ins süße Rampenlicht zu setzen. „Wir haben unter den Meisterstücken gute bis sehr gute Arbeiten gesehen“, stellte Bernd Bücker als Obermeister der Konditoreninnung Südwestfalen und anwesend für den Landesinnungsverband fest. In einer kleinen Feierstunde überreichte der Vorsitzende der Meisterprüfungskommission Dipl.-Ing. Paul K.H. Esken die Meisterbriefe und sorgte für strahlende Gesichter bei den im wahrsten Sinne des Wortes frisch gebackenen Konditorenmeistern. Die besten praktischen Leistungen erbrachten Jennifer Ochtendung, Annalena Katharina Seute, Lena Becker und Chenxi Chao, die jeweils mit dem Fachbuch „Magic Marzipan“ belohnt wurden. In die lange Schar der Gratulanten reihten sich die Mitglieder der Prüfungskommission gerne ein. Ulrich Adolf als stellvertretender Obermeister der Konditoreninnung Westfalen Süd, Reinhard Thiel und Christoph Kaptain gratulierten ebenso wie Ulrich Gockel als Vertreter der Abteilung Meisterprüfungswesen der HWK Südwestfalen und Wolfgang Linke als Leiter des BBZ.
Natürlich wurde an diesem Abend in erster Linie gefeiert, dennoch wies Bernd Bücker darauf hin: „Sie werden in Zukunft jeden Tag einer Prüfung durch den Kunden unterzogen.“ Gleichzeitig war er voll des Lobes für die jungen Meisterinnen und Meister: „Das schafft nicht jeder, da können sie stolz drauf sein.“
Bis dahin war es ein weiter Weg, setzt sich die Konditorenmeisterprüfung doch aus insgesamt vier Teilen zusammen. Dabei konzentriert sich die Iserlohner Fach- und Meisterschule für das Konditorenhandwerk auf die Prüfungsteile I und II, den "Fachtheoretischen" und "Fachpraktischen Teil", während die Meisterprüfungsteile III und IV, "Rechnungswesen, Betrieb und Wirtschaft und Recht und Steuern" sowie die "Ausbildereignung" im Hause oder bei einer anderen HWK abgelegt werden können. Dabei bietet das Modell laut Lehrgangsleiter Roland Alberts zahlreiche Vorteile. „Die Teilnehmer müssen nicht so lange an einem Stück anwesend sein und können unnötige Freistunden vermeiden.“ Hinzu kommen der geringere Lohnausfall sowie die verkürzte Dauer einer eventuellen Internatsunterbringung. Denn gerade dabei handelt es sich um einen großen Pluspunkt des heimischen Standortes. Im angegliederten Internat finden die Teilnehmer aus weiter entfernten Regionen eine kostengünstige Unterkunft. Ein dreimonatiger Kurs garantiert eine optimale Vorbereitung auf die Meisterprüfung. Den intensiven Schulungs- und Übungszeiten liegen unterschiedliche didaktische Ansätze wie Teamarbeit oder Workshops zugrunde, was in der Vergangenheit stets für effektive Leistungen bei den Teilnehmern sorgte.
In der Praxis sieht das ähnlich aus wie im Arbeitsalltag: Am frühen Morgen wird die Backstube aufgeschlossen und rund acht Stunden gebacken, dekoriert, gewerkelt und natürlich theoretisches Wissen „gepaukt“.
Die Ausstattung der Schule entspricht dem aktuellen Stand in technischer wie hygienischer Hinsicht. Für jeden Meisterschüler steht ein komplett ausgestatteter Arbeitsplatz zur Verfügung. In der Schule werden alle relevanten gesetzlichen Vorschriften der Lebensmittelhygiene, des Arbeitsrechtes, der Unfallverhütung und vieles mehr im Lehrgang vorgestellt.
Der Kurs wird einmal im Jahr Anfang November angeboten, sobald die überbetriebliche Ausbildung am Berufsbildungszentrum pausiert und damit die volle Konzentration auf die Meisterprüfung gerichtet werden kann.
Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK Dirk H. Jedan freut sich ebenfalls über die Einrichtung, die das Konditorenhandwerk auf höchstem Niveau lehrt: „Hier bietet sich jungen Menschen die Möglichkeit, in Iserlohn hochwertige und praxisorientierte Qualifikationen zu erwerben, die sie im späteren Berufsalltag mehr als konkurrenzfähig machen.“
Wie groß die Resonanz mittlerweile ist, zeigt die Tatsache, dass die Teilnehmer in zwei Gruppen zur Prüfung geladen wurden. Jeweils vier Tage dauerte der praktische Teil inklusive einer umfangreichen Dokumentation und dem Fachgespräch. Die Bewertung fand am folgenden Samstag statt. Roland Alberts erläuterte den Vorgang: „Das Meisterprüfungsprojekt entspricht einem Kundenauftrag.“ Das Thema können sich die Prüflinge in Abstimmung mit dem Lehrgangsleiter zwar selber aussuchen, bestimmte Vorgaben müssen jedoch eingehalten werden. Eine Sahnetorte war in diesem Jahr ebenso fester Bestandteil der Prüfung wie der Baumkuchen, das Schaustück, die Petit Fours – süß oder pikant – und die Teegebäckmischung. Auch Pralinen gehören zum elementaren Repertoire des Konditorenhandwerks. Hier galt es in diesem Jahr unter dem Motto „wild und scharf“, die gesamte Bandbreite der eigenen Kreativität auszuschöpfen. „Da waren interessante Erzeugnisse dabei“, wusste Roland Alberts zu berichten. Beispielsweise die Geschmacksrichtung „Pflaume im Speckmantel“, die – laut Alberts – auch in einem Geschäft angeboten werden könne. Wichtig ist die Dokumentation, „ein nicht zu unterschätzender Teil der Prüfung“, so Roland Alberts. Das Umsetzungskonzept klärt, was erstellt wird und wie die Produkte aussehen. Außerdem natürlich die Kostenfrage, die im Rahmen eines kompletten Angebots vorab transparent gemacht wird. Dazu gehören die Rezepturen inklusive des HACCP-Konzepts, das die Hygiene-Regelungen betrifft. „Hier wird erläutert, welche hygienischen Probleme auftreten könnten und wie darauf reagiert wird“, so Roland Alberts. Diese werden ausführlich für jedes einzelne Rezept beschrieben. Hinzu kommt die Situationsaufgabe, bei der aus einem Pool drei Aufgaben ausgewählt werden, aus denen bis zu sechs weitere Aufgaben resultieren können. Beispielsweise gefüllte Pasteten, denn auch die sogenannte „Kleine Küche“ muss ein Konditor beherrschen. Oder Marzipanarbeiten, Desserts aus Sahne und Buttercreme sowie Blätterteig.
Roland Alberts hat es wie in jedem Jahr Spaß gemacht: „Die Teilnehmer waren mit sehr viel Engagement bei der Sache.“ Er freut sich bereits auf den nächsten Kurs unter seiner Leitung. Einer wird im Prüfungsausschuss der nächsten Meisterprüfung jedoch nicht mehr mit dabei sein – Reinhard Thiel gibt seinen Sitz nach langen Jahren ab. Dipl.-Ing. Paul K.H. Esken dankte Reinhard Thiel für sein Engagement und ehrte ihn mit einem kleinen Präsent. Dieser ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Für mich waren diese Tage hier im Prüfungsausschuss in Iserlohn Freudentage, aber man muss wissen, wann es Zeit ist.“

Weitere Informationen finden Sie unter www.konditoren-meisterschule.de.
Eine Bildergalerie der Meisterprüfung 2011 finden Sie hier!

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