Keiner so gut wie alle zusammen! Junge Leute mit Leidenschaft vom Handwerk überzeugen! ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis

Feb 13 2015
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(v.l.) Eckhardt Roß, Christian Will, Dirk H. Jedan, Willy Hesse, Andreas Fabri, Hans Peter Wollseifer, Reiner Nolten, Meinolf Niemand, Hans-Joachim Künzel und Wolfgang Sölter.„Keiner ist so gut wie alle zusammen" – Kreishandwerksmeister Christian Will dankte den zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung im Rahmen des Neujahrsempfangs der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis im „Haus des Handwerks" für ein solides feinmaschiges Netzwerk allererster Güte, auf das man sich verlassen könne.

In seiner Begrüßung griff er wichtige handwerkspolitische Themen wie die Energiewende auf: „Das Handwerk nimmt für sich in Anspruch, „offizieller Ausrüster der Energiewende" zu sein." Dieser Titel stehe dem Handwerk zu Recht zu, da rund 450.000 Handwerksbetriebe tagtäglich an diesem umweltpolitischen Jahrhundert-Thema arbeiteten. Will bemängelte, dass die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung noch in weiter Ferne lägen und daher ein fiskalischer Anstoß zur energetischen Gebäudesanierung dringend nötig sei. Dieser dürfe allerdings nicht durch eine Einschränkung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen vollzogen werden. „Dieser ist aus gutem Grund eingeführt worden - nämlich um die Schwarzarbeit einzudämmen, und nicht, um den Klimaschutz voranzutreiben."
Überhaupt sei das Thema Schattenwirtschaft kein Kavaliersdelikt, da sich die wirtschaftlichen Schäden auf Euro-Beträge in Milliarden-Höhe beliefen. Will hob an dieser Stelle die Stadt Iserlohn heraus, die durch ihre Abteilung „Wirtschaftsdelikte" die Herausforderung annimmt und erfolgreich gegen Schwarzarbeit in Iserlohn vorgeht.

Kreishandwerksmeister Christian WillEin Herausforderung ganz anderer Art, mit der es die handwerklichen Bildungsstätten wie das heimische Berufsbildungszentrum zu tun bekommen, sah Will in den gravierenden Einschnitten bei der Arbeitsmarktförderung. Will regte an, sich auch den leistungsschwächeren Jugendlichen intensiv zuzuwenden. Es müsse die Erwartungshaltung gedämpft werden, dass Handwerksbetriebe Defizite beseitigten, die im familiären oder schulischen Umfeld auftreten: „Hierzu sollten wir uns Einrichtungen bedienen, wie es unser Haus mit dem Berufsbildungszentrum vorhält. Ideale Lernort-Bedingungen, eingebettet in strukturierte Tagesabläufe, begleitet von ausgebildetem Fachpersonal und pädagogisch geschulten Mitarbeitern bieten hierfür beste Voraussetzungen." Will appellierte an die verantwortlichen Politiker, diese Art der Bildungseinrichtungen zu stärken und die Ressourcen jahrzehntelanger hervorragender Bildungsarbeit zu nutzen.

Im Anschluss ließ der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, von Anfang an keine Zweifel aufkommen: Er vertritt das Handwerk mit Herz und Verstand!

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer„Wir müssen unsere berufliche Ausbildung attraktiv machen!" analysierte Wollseifer in seinem Festvortrag zielsicher und beleuchtete aktuelle handwerkspolitische Themen. Allem voran lag ihm der fehlende Nachwuchs am Herzen: „Sie kennen doch dieses Gefühl, diesen Stolz, etwas selbst erschaffen zu haben. – Das müssen wir den jungen Leuten vermitteln!" Um den Nachwuchs auf emotionaler Ebene zu erreichen, sei Leidenschaft das beste Werkzeug, griff Wollseifer das Jahresmotto der Imagekampagne auf. Man müsse kreativ sein und in viele Richtungen weiterdenken.

Dass 54% der Schulabgänger ein Studium beginnen und die Gesellschaft einer zunehmenden Akademisierung unterliegt, sah Wollseifer erwartungsgemäß kritisch: „Wir brauchen gute Akademiker, wir brauchen gute Fachkräfte – aber beides auf Augenhöhe!" Denn nicht jeder, das bestätigten Gespräche mit Hochschulrektoren, sei für ein Studium geeignet: „Es hilft weder den Menschen noch den Betrieben, wenn Talente ungenutzt bleiben." Auch die Rente mit 63 verurteilte er als „völlig falsches Signal". Dies sei eine staatliche Frühverrentung, hier müsse die Politik reagieren, genauso wie beim Mindestlohn. Die Kontrollmechanismen stellten sich als „ein Bürokratiemonster allererster Güte heraus".

Eine klare Meinung vertrat Wollseifer zu den europäischen Bestrebungen, den Meisterbrief als Qualitätsmerkmal aufzuweichen: „Der Meisterbrief ist das identitätsstiftende Fundament, die Grundlage und die Voraussetzung für die hohe Ausbildungsleistung in unserem Land. Er ist ein Qualitätsmerkmal und wird es bleiben!" Wollseifer schlug gekonnt den Bogen zu Themen wie der Breitbandanbindung von Handwerksbetrieben über das Transatlantische Freihandelsabkommen hin zur Ausbildung von Flüchtlingen: „Wir können diese jungen Leute beschäftigen, Flüchtling ist kein Beruf!" Das Handwerk müsse sich dieser humanitären Aufgabe annehmen und sei auch in der Lage, die nötige Unterstützung zu leisten.

Abschließend stellte der Referent die rein rhetorische Frage „Was wäre die Welt ohne das Handwerk?" Die Antwort aus dem Auditorium ließ nicht lange auf sich warten: „Ganz einfach, es führe kein Auto, es flöge kein Flugzeug, nichts!"

In seinem Schlusswort dankte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, Dirk H. Jedan, dem Festredner und appellierte noch einmal an die anwesenden Politiker, das Thema Wirtschaftsförderung in der Region nicht aus den Augen zu verlieren. Besondere Brisanz komme momentan der Energieversorgung in der Region zu. „Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Inseln grundsätzlich von Wasser umgeben sind – Ich habe mich in den letzten Monaten eines Besseren belehren lassen müssen!" So merkte Jedan an, sei man netztechnisch vom Rest der Republik abgeschnitten. Es komme nicht in Frage, dass die heimische Wirtschaft hierfür am Ende die Zeche zahle.

Nach dem „offiziellen" Teil durften sich die Gäste über den traditionellen Tafelspitz freuen, der im Rahmen lockerer Diskussionen und in gemütlicher Runde serviert wurde. Gegen eine kleine Spende konnten sich die Besucher in guter Tradition ein „Märkisches Meisterbrot" sichern. Der Erlös kommt diesmal dem Verein „Flaschenkinder Iserlohn e.V." zugute.

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